// Die Sache mit den gespeicherten IP-Adressen...

Ich habe schon lange eingesehen, dass die meisten Mitmenschen keine Angst vor staatlicher Überwachung haben.1) Ich frage mich aber immer wieder, warum dies so ist. Gerät man zufällig unter falschen Verdacht, kapiert man vielleicht, wieso man Dinge wie die Unschuldsvermutung und sonstige rechtsstaatlichen Prinzipien eingeführt hat. Ist ja jetzt nicht gerade so, dass unsere Großväter und sonstige Vorfahren darauf erpicht waren, Kriminelle ungestraft davonkommen zu lassen. Gerne tut man aber heute so, als ob Grundrechte nur dazu dienen würden, Verbrecher statt Bürger zu schützen.
Das Problem dieses Sicherheitsirrsinns ist die Blindheit gegenüber Missbrauch. Da werden Dinge zu Beweisen, die eigentlich keine sind und deshalb Spekulation und Rechtsverdreherei Tür und Tor öffnen.

Ein perfektes Beispiel für mangelnde Aussagekraft: IP-Addressen

Die Vorratsdatenspeicherung ist in weniger als zwei Monaten Realität, somit rücken IP-Adressen und Zeitpunkte von Telefonaten direkt in die erste Reihe von “Beweisen”, die von Ermittlern wohl routinemäßig gecheckt werden wollen. Nur dumm, wenn dabei ein (logischer) Fehler passiert – obwohl Computer doch keine Fehler machen. Und Beamte sowieso nicht. ;-) Oder doch?

Aber es muss nicht so etwas Triviales wie ein Schreibfehler sein, denn der eigene Rechner ruft ggf. Seiten auf, die man gar nicht bewusst besucht. In den Log-Dateien taucht man aber trotzdem auf – und schon hängt man im Raster. Oder auch nicht. Einfach nur Zufall russisches Roulette.

Wie das passieren kann? Wenn man z.B. Browser-Plugins wie das beliebte FasterFox installiert, welches verlinkte Seiten bereits im Hintergrund vorauslädt, um sie bei einem wirklichen Aufruf schneller anzeigen zu können. Schon landet die IP-Adresse auf etlichen Servern, die man eigentlich gar nicht aktiv aufgerufen hat, aber der Rechner vor dem man sitzt.
Auch Frames, Overlays, Bilder oder andere Grafiken (z.B. src=http://andere-domain.example.com/grafik.gif) können von anderen Web-Seiten und Servern als der eigentlich besuchten stammen, ohne das man es merkt. Solche und andere Tricks, IP-Adressen gezielt in die Log-Dateien von Web-Angeboten zu schleusen werden schon von Online-Abo-Drückern etc. genutzt. Warum also nicht gezielt von Rufmördern? Oder Terroristen? Oder anderen Verbrechern, die am Legen von falschen Spuren interessiert sind? Die RAF hat schließlich auch gerne falsche Fahrgestellnummern in Fahrzeuge eingraviert, um Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken.

Daher bleibt die Frage: Wovor schützt uns die geforderte, unreflektierte Überwachung eigentlich? IP-Adressen und andere Indizien verursachen schon heute zahlreiche falsche Hausdurchsuchungen und Ermittlungen mit all den negativen Folgen für den Leumund der Betroffenen, während sich die Kriminellen ins Fäustchen Lachen und hinter Diensten wie dem RBN verstecken. Wo führt das bitte hin? Ich sehe jedenfalls Gefahr. Nicht Schutz.

1)
“Ich habe doch nichts zu verbergen”

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