Aufgrund der globalen Verbreitung und der bereits Jahrzehnte langen Existenz von (La)TeX finden sich extrem viele Informationen zum Thema. Als Anfänger ertrinkt man in der Informationsflut, eine thematische oder qualitative Selektion ist ohne Vorwissen sehr schwer: So manche Quelle ist von schlechter Qualität, andere sind hochwertig aber erschöpfend. Anderes ist… abgespact.
Ich liste daher im Folgenden (hoffentlich) nützliche Informationen, die ich als LaTeX-Einsteiger zusammengetragen habe. Vielleicht wird es für dem Ein oder Anderen hiermit leichter gemacht, zu wissen was man wofür braucht, welche Werkzeuge empfehlenswert sind und wo man gute Informationen dazu findet.
Die allgemeinen Vorteile liegen auf der Hand:
Erkauft werden die Vorteile mit:
Persönlich war ich es irgendwann einfach Leid, mich mit Office-Programmen herumzuschlagen – dies geht wohl nicht nur mir
so. Meine persönlichen Hauptbeweggründe für den Einsatz von LaTeX waren:
, Blogs wie Smashing Magazine
und meiner Arbeit). Professioneller Typografie ohne entsprechendes Fachwissen Rechnung zu tragen, ist mit Office-Programmen sehr schwer. Mit LaTeX kann man von enormen Fachwissen Anderer leicht profitieren.Über LaTeX wurde schon viel geschrieben, daher will ich an dieser Stelle nicht das Rad neu erfinden, sondern einem jeden Interessenten ans Herz legen, die folgende Auswahl an Texten zu lesen.
Man wird sich kaum alles auf Anhieb merken können, aber man sollte es erst einmal einfach lesen. Anschließend kann man hoffentlich auch einschätzen, ob man persönlich LaTeX einsetzen will, oder nicht.
Was man allgemein-hin als “LaTeX” bezeichnet, ist im Grunde ein Ökosystem aus TeX, zahlreichen Helferprogrammen, Makros, Skripten, Schriften und vielem mehr. Aber um die Details muss man sich Gott sei Dank nicht kümmern, denn es existieren sogenannte LaTeX-Distributionen, die alles was man so braucht, mitbringen. Dabei stechen zwei weit verbreitete und gut gepflegte Kandidaten besonders heraus: TeX Live
und MikTeX
. Welcher der beiden man den Vorzug geben sollte hängt eigentlich nur vom verwendeten Betriebssystem ab. Unter Linux existieren praktisch für jede Distribution TeX Live-Pakete (z.B. für Ubuntu
). Unter Windows ist man mit MikTeX gut beraten, denn es stellt einen einfachen Installer bereit. Das war alles. Nach der Installation wird es einem an Nichts fehlen. Wirklich unkompliziert, sofern man es weiß, oder?
Und keine Sorge: ob man seine Dokumente nun in einer TeX Live- oder MikTeX-Umgebung erstellt ist den Dokumenten egal, auch ein späterer Umstieg ist kein Problem. Und bitte nicht vergessen, den Aufwand der Projektbetreuer durch eine Spende zu entlohnen: MikTeX
, TeX Live
Editoren, die von sich selbst behaupten, dass Sie LaTeX unterstützen, gibt es wie Sand am Meer. Aber gute Editoren gibt es nur wenige. In die engere Auswahl haben es bei mir nur die folgenden kostenlosen Editoren geschafft:3)


Letztendlich bin ich bei Texmaker hängen geblieben, denn das Programm ist klein, schnell, komfortabel zu bedienen und läuft sowohl unter Windows, MacOS als auch Linux. So kann ich mir ziemlich sicher sein, mich auf keinem OS umstellen zu müssen.
Sofern man unter Linux die Paketverwaltung der jeweiligen Distribution nutzt, sollte man bei jedem Editor eigentlich nicht viel konfigurieren müssen, um loslegen zu können. Unter Windows mit MikTeX muss man meist die Pfade zu den diversen Helferprogrammen angeben. Wenn man z.B. nach C:\Programme\MiKteX\ installiert hat und TexMaker nutzt, wären die Angaben wie folgt ( man muss
/ statt \ als Verzeichnistrennzeichen nutzen):
C:/Programme/MiKteX/miktex/bin/latex -interaction=nonstopmode %.texC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/dvips -o %.ps %.dviC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/bibtex %.auxC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/makeindex %.idxC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/yap.exe %.dviC:/Programme/Ghostgum/gsview/gsview32.exe %.ps (C:/Programme/MiKteX/miktex/bin/pdflatex -interaction=nonstopmode %.texC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/dvipdfm %.dviC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/ps2pdf %.psC:/Programme/MiKteX/miktex/bin/mpost --interaction nonstopmodeC:/Programme/Adobe/Reader 10.0/AcroRd32.exe %.pdf (Wenn man sich bis hierher durchgekämpft hat, sollte man über alle nötige Software verfügen und eine Menge theoretisches Wissen angehäuft haben. Dies ist genau der richtige Zeitpunkt, das HowTo “Einführung in LaTeX” nachzuvollziehen. Folge einfach den Beispielen, und so Manches wird sicherlich auf einmal klarer und verständlich. Leicht wird es aber erst nach einiger Zeit, Übung macht bekanntlich den Meister.
Nach meinen ersten Tests habe ich versucht, allgemeine, gut kommentierte Vorlagen zu erstellen. Begonnen habe ich mit der KOMA-Script-Klasse scrlltr2 (näheres dazu s. nächster Abschnitt), da ich gerade eine Menge Schriftverkehr zu erledigen habe. Mein Ziel war es, möglichst alle Optionen zu listen und zu kommentieren, um in Zukunft durch herauspicken einzelner Abschnitte dieser Vorlage schnell speziellere Vorlagen zu erzeugen (Firma1, Privat, Firma2 …). Dies ist aber grandios gescheitert, es war einfach nicht sinnvoll. Ich habe mich ständig dabei erwischt, im Grunde eine redundante Klassendokumentation zu erstellen.
Um zu guten Vorlagen für verschiedene Einsatzzwecke zu kommen, war es viel praktikabler, immer bei Null zu beginnen, anstatt zu Versuchen eine “Über-Vorlage” mit Allgemeingültigkeitsanspruch zu schaffen. Ich habe einfach mit den Default-Werten einer Klasse begonnen, mir dann das Ergebnis angeschaut und anschließend die gewünschten Anpassungen mit Hilfe der jeweiligen Dokumentation Stück für Stück in Angriff genommen. Einige Zeit später war die Arbeit dann meist auch schon erledigt und eine eigene “Über”-Vorlage hätte dies weder beschleunigt noch vereinfacht. Lediglich das Ablegen von Code-Schnipseln und den fertigen Vorlagen in meiner internen DokuWiki5) hat das Arbeiten sinnvoll beschleunigt und vereinfacht.
Die normalen LaTeX-Standardklassen richten sich im Allgemeinen nach US-amerikanischen Konventionen und Papierformaten, was für deutscher Anwender zu gewissen Problemen führt. KOMA-Script ist eine umfangreiche Sammlung von Standardklassen, welche diese Probleme nicht mit sich bringen:
Alle gängigen LaTeX-Distributionen – auch die oben von mir genannten – bringen KOMA-Script bereits mit, man muss für gewöhnlich also nichts installieren um KOMA-Script zu nutzen. Aufgrund der Vorteile haben die KOMA-Script-Klassen inzwischen in vielen Bereichen die “normalen” Standardklassen verdrängt und auch ich nutze eigentlich nur KOMA-Script. Um es einzusetzen nutzt man einfach scrartcl, scrbook, scrlttr2 und scrreprt statt der “normalen” Dokumentenklassen. Eine erschöpfende Anleitung über die Nutzung der Klassen findet sich in der offiziellen Dokumentation: KOMA-Script - ein wandelbares LaTeX-Paket.6) Leider habe ich erst nach meinem ersten durchkämpften Stunden das HowTo “Blattwerk - Briefe schreiben mit LaTeX” entdeckt. Hätte ich den Text vorher gehabt, wäre mir die Nutzung von scrlttr2 schneller leicht gefallen.
An dieser Stelle kommt vielleicht die Frage auf: “Warum KOMA-Script statt z.B. einer Kombination aus den originalen Standardklassen, g-brief, dinbrief oder vergleichbaren Paketen?” Die Antwort auf solche Fragen fällt leicht: KOMA-Script ist solide entwickelt, komfortabel, wird aktiv gepflegt, hat zahlreiche Nutzer, ist umfassend dokumentiert und meist mächtiger als vergleichbare Klassen. Aufgrund seiner Verbreitung muss man sich auch wenig bis keine Zukunfts- und Kompatibilitätssorgen machen. Man hat eigentlich nur Vorteile, wenn man darauf setzt. Und bitte nicht vergessen, den Aufwand des Projektbetreuers Markus Kohm durch eine Spende zu entlohnen.
Um Präsentationen mit LaTeX zu erstellen (neben Geschäftsbriefen der Hauptgrund, warum ich auf LaTeX umgestiegen bin) bietet sich die Beamer-Klasse an. Alle gängigen LaTeX-Distributionen (auch die oben genannten) bringen Beamer bereits mit. Zu Beamer gibt es gute Texte und Anleitungen:
Zur eigentlichen Präsentation der PDF-Folien würde ich das Programm impress!ve statt eines normalen PDF-Viewers empfehlen.
LaTeX kommt ohne Probleme mit Unicode bzw. UTF-8 klar. Man muss nur, wie bei allen anderen Quellcode-Dateien auch, beim Austausch zwischen Systemen auf die Editor- und Zeichensatzeinstellungen achten. Ich setzte überall auf UTF-8-fähige Software, egal ob nun im Web oder in meinen Dokumenten. Daher gebe ich Sonderzeichen auch direkt ein, und greife nicht auf Encoding-unabhängige Schreibweisen wie Ist doch h\“asslich zurück. Dies würde ich nur in Makros oder Style-Dateien machen, da diese Encoding-unabhängig funktionieren sollten.
Wie auch immer, um keine Probleme bezüglich UTF-8 zu bekommen:
\usepackage[utf8]{inputenc} statt \usepackage[latin1]{inputenc} (entspricht ISO 8859-1) oder \usepackage[latin9]{inputenc} (entspricht ISO 8859-15) verwenden.
Wer nur Bahnhof versteht, dem lege ich auch als gewöhnlicher Anwender den Text ”The Absolute Minimum Every Software Developer Absolutely, Positively Must Know About Unicode and Character Sets (No Excuses!)“
ans Herz. Zu verstehen was ein Zeichensatz ist, ist bei praktisch jedem Programm und Dateisystem wichtig und bei Problemen von Vorteil.
Weiterführende, umfangreiche Werke über LaTeX
– Das Handbuch der Beamer-KlasseAnlaufstellen
Vorlagen, Schnipsel, Bespiele, etc.
Sonstiges
– LaTeX-Code für ein Zeichen vergessen? Kein Problem: einfach online zeichnen und Detexify2 wird dir Vorschläge unterbreiten. Beispiel: Zeichne ”…“ und du wirst Vorschläge wie \cdots und \dots erhalten.
– Programm zum komfortablen und schönen anzeigen von PDF-Beamer-Präsentationen.